Discovery Castle

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Ahrensburg Castle

Germany   Schloss Ahrensburg


Type: Castle, Palace
Construction started: 16th century
Status: preserved
Sightseeing: Museum chargeable
outdoor area free
Adress: Lübecker Str. 1
22926 Ahrensburg
Germany
Website: Schloss Ahrensburg

Schloss Ahrensburg
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Das Schloss Ahrensburg befindet sich in der nach dem Schlossbezirk benannten Stadt Ahrensburg im südlichen Schleswig-Holstein, etwa 30 Kilometer nordöstlich des Hamburger Stadtzentrums. Das kleine Wasserschloss ist eigentlich ein Herrenhaus und war als solches einst Mittelpunkt eines adligen Gutes. Als Schloss wird das Gebäude jedoch schon seit dem 18. Jahrhundert bezeichnet.

Der ursprünglich mit einfachen Befestigungsanlagen geschützte Renaissancebau befand sich seit dem 16. Jahrhundert im Besitz verschiedener Linien der dem Holsteiner Uradel angehörenden Familie Rantzau. Nach einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs gelangten Gut und Schloss Ahrensburg im 18. Jahrhundert in den Besitz der in den Adelsstand erhobenen Familie Schimmelmann, unter der das Herrenhaus zu einem aufwendigen Landsitz umgestaltet wurde. Die Schimmelmanns verblieben über mehrere Generationen in Ahrensburg, dann wurde der Besitz 1932 verkauft. Nachdem das Schloss in der Zeit des Zweiten Weltkriegs unterschiedlichen Zwecken gedient hatte, beherbergt es heute ein Museum mit dem Schwerpunkt der schleswig-holsteinischen Adelskultur.

Das Schloss ist eines der Hauptwerke der Renaissancearchitektur in Schleswig-Holstein. Es gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Bundeslandes und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum Schlossareal gehören neben dem Herrenhaus die einstige Gutskapelle mit ihren sogenannten Gottesbuden sowie ein im Stil englischer Landschaftsgärten gestalteter Schlosspark.

In der Nähe des heutigen Schlosses gab es bereits im Mittelalter einen befestigten Herrensitz, die sogenannte Burg Arnesvelde, die den Schauenburger Grafen gehörte. 1327 kam die Anlage mit den angrenzenden Ländereien an das Reinfelder Kloster, wo sie die nächsten Jahrhunderte verblieb. Die kleine Burg wurde kaum genutzt und begann im Laufe der Zeit zu verfallen. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster im 16. Jahrhundert säkularisiert, und Arnesvelde ging in den Besitz des dänischen Königs Friedrich II. über. Der vergab es 1564 zunächst an die Familie Blome.

Am 9. März 1567 erhielt der in königlich dänischen Diensten stehende Feldherr Daniel Rantzau die Überreste der Burg als Lohn für seine Dienste und Ausgleich für Schulden, die der König bei ihm hatte. Zusammen mit der Burg erhielt er die vier Dörfer Woldenhorn, Ahrensfelde, Meilsdorf und Bünningstedt. Rantzau, der aus dem Nienhofer Zweig der zu dieser Zeit einflussreichsten Familie Schleswig-Holsteins stammte, fiel bereits zwei Jahre später in einem Kampf um die schwedische Festung Varberg, ohne seinen neuen Besitz je betreten zu haben. Da er kinderlos war, fiel das Erbe an seinen Bruder Peter Rantzau, der mit den Ländereien eine ausgedehnte Gutswirtschaft begründete.

Peter Rantzau übernahm die Ländereien um das künftige Schloss 1569. Nördlich des Dorfes Woldenhorn - das in der heutigen Stadt Ahrensburg aufgegangen ist – entstand ein großer Gutshof, der zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der Anlage wurde. Zwischen den Gutsgebäuden und dem Dorf im Süden, in einem von der Hunnau durchflossenen flachen Bachtal, ließ Peter Rantzau das Herrenhaus errichten. Für das um 1585 erbaute Gebäude wurden die Reste der einige Kilometer südlich gelegenen Arnesvelder Burg abgerissen und das Material zum Teil in Ahrensburg verbaut; von der mittelalterlichen Burg sind nur noch einige verwilderte Wälle und Gräben übrig geblieben. Der Name der Burg übertrug sich auf den neuen Besitz.

Das Herrenhaus wurde in der traditionellen Form des sogenannten Mehrfachhauses errichtet und als moderner, aufwendiger Renaissancesitz ausgestattet. Heinrich Rantzau beschrieb das Herrenhaus und seine Ausstattung 1597 – wahrscheinlich etwas überzogen – als „einen mit unbegreiflichen Kosten errichteten Bau, dessen Räume mit Gold und Silber bekleidet waren“. Das Herrenhaus sollte Peter Rantzau vor allem als Alterssitz und nach seinem Willen anschließend „für ewige Zeiten“ als Stammsitz seines Familienzweigs dienen. Mit der 1596 vollendeten Schlosskapelle in unmittelbarer Nähe des Guts schuf er auch die Grablege für sich und seine Nachfahren. Der Traum von dauerhaftem Ruhm seiner Linie endete jedoch bereits in der folgenden Generation, da sein Sohn Daniel ohne männlichen Nachkommen starb. Dennoch verblieb das Gut als Erbe im Besitz der weitverzweigten Rantzaus, und das Herrenhaus beherbergte bis zum 18. Jahrhundert insgesamt sieben Generationen der Familie.

Ab dem 17. Jahrhundert machte der Ahrensburger Besitz mehrere finanzielle Krisen durch, auch ausgelöst durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Im 18. Jahrhundert gerieten die Rantzaus zudem in Konflikte mit ihren Gutsangestellten, die zwar ihrem Status nach Leibeigene waren, deren Forderungen nach besseren Lebensbedingungen jedoch zunehmend wuchsen und in langwierigen Aufständen gipfelten. Diese Zeit der Konflikte zwischen Leibeigenen und Gutsherrn wird in der lokalen Literatur gelegentlich als Dreißigjähriger Ahrensburger Bauernkrieg bezeichnet. Einen letzten wirtschaftlichen Aufschwung erlebte das Gut, nachdem es durch Erbgang und Heirat an Detlev Rantzau aus der Putloser Linie der Familie übergegangen war. Als Detlev Rantzau 1746 gestorben war, konnte der hochverschuldete Besitz von der Familie nicht mehr gehalten werden und wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts zum Verkauf angeboten.

Nachdem er bereits seit Januar 1759 mit dem letzten Gutsverwalter Christian Rantzau in Verhandlungen gestanden war, kaufte der aus Vorpommern stammende Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann das hochverschuldete Gut im Mai des Jahres für 180.000 Reichstaler. Schimmelmann war 1756 im Siebenjährigen Krieg zum Getreidelieferanten des preußischen Heeres aufgestiegen und konnte durch glückliche Umstände den Lagerbestand der Meißener Porzellanmanufaktur erwerben. Mit dem Weißen Gold – ein Teil des Porzellans ist noch heute im Schloss ausgestellt – erwarb er einen Teil seines beträchtlichen Vermögens. Schimmelmann beteiligte sich als Sklavenhändler am Atlantischen Dreieckshandel und gehörte bald zu den reichsten Männern seiner Zeit. Seine Fähigkeiten als Finanzmann führten ihn bis an den dänischen Hof, wo er 1768 zum königlichen Schatzmeister ernannt wurde. Kopenhagen wurde sein Hauptwohnsitz, wo er in der Nähe der Amalienborger Palais’ das sogenannte Berkenthische Palais erwarb, das heutige Odd Fellow Palæet. Seine Geschäfte führten ihn auch immer wieder nach Hamburg und ins damals durch Dänemark verwaltete Altona. In Hamburg erwarb er das Gottorper Palais in der Nähe der Michaelis-Kirche als Stadtdomizil. Ahrensburg dagegen sollte ihm als in der Nähe der Städte Hamburg und Altona gelegener Landsitz dienen, ebenso wie das ebenfalls erworbene Herrenhaus in Wandsbek.

Schimmelmann ließ das Ahrensburger Herrenhaus in ein spätbarockes Landschlösschen umbauen, das bis zur Fertigstellung des Neubaus in Wandsbek 1778 seine Sommerresidenz war. Die Schimmelmannsche Familie verließ Kopenhagen in der Regel im Mai eines jeden Jahres und verblieb bis November in Ahrensburg, wo sie von durchschnittlich fünfundzwanzig Hausangestellten versorgt wurde. Der aus dem Bürgertum stammende Schimmelmann wurde zum Freiherren und schließlich zum Grafen erhoben und verheiratete seine Kinder in den holsteinisch-dänischen Landadel. Das Herrenhaus entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Zentrum der holsteinischen Gutskultur und auch der dänische König Christian VII. besuchte es mehrfach. Das Gebäude erlebte in dieser Epoche seine Glanzzeit und Schimmelmann schrieb über seinen Landsitz „Ich habe soviel Liebe für Ahrensburg […] es ist mein einziges Vergnügen“.

Mit der Fertigstellung des neuen Wandsbeker Schlosses 1778 wurde Ahrensburg seltener besucht. Nach dem Tode des Schatzmeisters teilten die Kinder das Erbe, zu dem sechs Herrenhäuser und Palais gehörten, auf. Das Ahrensburger Gut ging an den Sohn Friedrich Joseph Schimmelmann. Unter ihm wurde als fortschrittlichste Neuerung 1788 die Leibeigenschaft aufgehoben, doch da er die erfolgreichen Geschäfte seines Vaters nicht fortzuführen vermochte, verschuldete er den Besitz zunehmend. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts vertiefte sich die wirtschaftliche Krise noch durch die Folgen der Napoléonischen Kriege, die das benachbarte Hamburg ebenso betrafen wie das dänische Königreich. Erst in der Mitte des Jahrhunderts endete die Stagnation und durch Erbgänge kamen die verschiedenen Schimmelmannschen Besitztümer unter Ernst Schimmelmann, einem Urenkel des Schatzmeisters, wieder in einer Person zusammen. In dieser Zeit wurde das Herrenhaus modernisiert und der alte Wirtschaftshof der Schlossinsel abgebrochen; neue Nebengebäude wurden östlich des Mühlenteichs errichtet. Der Gutsbetrieb wurde, ergänzt mit einer erfolgreichen Pferdezucht, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortgeführt.

Die Ländereien des Guts wurden an verschiedene Käufer veräußert, das Interesse an dem alten Herrenhaus war jedoch gering, sodass es ab 1932 leer stand. Das Inventar wurde bereits ab 1927 zum Teil versteigert, 1929 kaufte die örtliche Sparkasse die noch verfügbaren Stücke für 25.000 Reichsmark. Durch die Initiative eines Ahrensburger Bürgers kaufte die örtliche Sparkasse auch das Schloss, das bereits seit 1932 zu besichtigen war, und richtete 1935 ein erstes Museum ein. 1938 wurde ein Schlossverein mit der Zielsetzung des Erhalts des Herrenhauses gegründet. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurde das Museum 1941 geschlossen, das Inventar ausgelagert und das Schloss unter Tarnnetzen versteckt. Während der Kriegszeit – die es weitgehend unbeschadet überstand – diente es unter anderem 1943 als Lazarett und 1944 als Sitz der Deutschen Seewarte. Nach Ende des Krieges beherbergte das Schloss kurzzeitig eine Kommandostelle der britischen Armee, anschließend nahm es mehr als 400 Flüchtlinge auf. 1947 zog eine Berufsschule ein, die bis 1954 verblieb.

Der Schlossverein unter der Leitung von Hans Schadendorff bemühte sich in der Nachkriegszeit, das Museum wieder zu eröffnen, was 1955 geschah. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Schlossanlage in Abschnitten saniert. Sie diente unter anderem als Kulisse für die deutschen Edgar Wallace Verfilmungen Der grüne Bogenschütze und Die seltsame Gräfin. Einige Außenaufnahmen von Die toten Augen von London entstanden an der Schlosskirche. Das Schloss war außerdem Drehort der ARD-Märchenverfilmung Das tapfere Schneiderlein.

Am 21. Februar 2003 wurde das Schloss in eine vom Land Schleswig-Holstein, dem Kreis Stormarn, der Stadt Ahrensburg und der Sparkasse Stormarn gegründete Stiftung eingebracht. Die Stiftung empfängt nach eigenen Angaben öffentliche Förderungen im abnehmenden Umfang, der benötigte Gesamtetat des Hauses wird zu gut zwei Dritteln selbst erwirtschaftet. Von 2002 bis 2006 erhielt die Stiftung aus dem Landeshaushalt einen jährlichen Zuschuss von 25.600 Euro.

Der Erhalt des Gebäudes wird unter anderem durch die Eintrittsgelder des ganzjährig geöffneten Museums finanziert, jährlich werden bis zu 30.000 Besucher gezählt. Weitere Einnahmen ergeben sich aus dem vielfältigen Nutzungskonzept der Schlossanlage, es werden regelmäßige Märkte, Festivitäten und Konzerte veranstaltet. Auch können einige der Schlossräume für Veranstaltungen gemietet werden; durch die Vermietung des Trauzimmers werden so beispielsweise bis zu 40.000 Euro jährlich eingenommen. Im August 2009 wurden der Stiftung vom Land Schleswig-Holstein und dem Bund insgesamt 560.000 Euro überreicht; sie sollen einer Sanierung und Modernisierung des Schlosses dienen. Zuwendungen erhält das Haus aus Spenden und Privatinitiativen des Freundeskreis Schloß Ahrensburg e. V., der in den vergangenen Jahren über 300.000 Euro für Sanierungsarbeiten und Ankäufe zur Verfügung stellen konnte. Weitere Unterstützung erfolgt aus der mit einem Vermögen von 100.000 Euro gegründeten Sparkassen-Stiftung Schloss Ahrensburg, welche eng mit der Stiftung Schloss Ahrensburg kooperiert.

Quelle: Wikipedia


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